Natasza deddner
Konzeptkünstlerin
Die EXPO 2027 formuliert unter dem Leitgedanken Play for Humanity den Anspruch, Spiel, Bewegung und Musik als universelle menschliche Praktiken zugänglich zu machen und ein internationales Publikum unabhängig von Sprache einzubeziehen. Erwartet wird ein System, das Erfahrung ermöglicht. Meine konzeptuelle Arbeit setzt dort an, wo Vorgaben in eine Struktur übersetzt werden müssen.
Der Pavillon ist als räumlicher Ausdruck Österreichs konzipiert und macht dessen Haltung, Innovation, Denkweise und kulturelle Kompetenz international erfahrbar und sichtbar.
Ausgehend von diesen Vorgaben habe ich eine raumgreifende Installation entwickelt, in der Bewegung die Wahrnehmung organisiert. Der Roller Coaster bildet dabei ein zentrales, strukturierendes Element innerhalb eines größeren Gefüges aus Raum, Klang, Licht und menschlicher Präsenz. Er beschreibt eine kontinuierliche Linie im Raum, die Rhythmus und Zeit ordnet. Diese Dynamik wird nicht als Ereignis verstanden, sondern als Zustand. Der Raum wird als zeitliches Gefüge erfahrbar. Die Installation verbindet körperliche Erfahrung, Klang und visuelle Übersetzung zu einem zusammenhängenden System. Rhythmus erzeugt Klang, Klang wird in Echtzeit in Farbe, Form und Licht übersetzt. Zwei großformatige LED-Walls fungieren als visuelle Oberfläche dieses Prozesses. Sound, Bild und räumliche Dynamik stehen in direktem Zusammenhang und verändern sich fortlaufend.
Die Installation ist so angelegt, dass Teilhabe aus Anwesenheit entsteht. Fahrende und stehende Besucher teilen einen Wahrnehmungsraum, der sich durch die Glaswände in den Außenraum fortsetzt. Akustische und visuelle Prozesse beziehen auch die Menschen außerhalb des geschlossenen Raumes mit ein. Besucher können sich aktiv beteiligen oder beobachten. Spiel entfaltet sich als Interaktion. Sport erscheint als körperliche Bewegung im Raum. Die Fahrt aktiviert den Körper unmittelbar und übersetzt Bewegung in spürbare Parameter wie Rhythmus, Gleichgewicht und Beschleunigung. Damit wird Sport als universelle, voraussetzungslose Erfahrung erfahrbar und als Teil der Gesamtinstallation für alle zugänglich, im Sinne von Play for Humanity. Klang entsteht dabei als Prozess aus Bewegung und Präsenz.
Gemäß den Anforderungen der Ausschreibung der EXPO 2027 ist Architektur integraler Bestandteil des Konzepts und dient der räumlichen Organisation von Erfahrung, Teilhabe und Öffentlichkeit. Sie fungiert als strukturierende Hülle der Installation, organisiert Besucherführung und Offenheit und stellt die bewusste Verbindung von Innen- und Außenraum her, ohne als autonomes Objekt in den Vordergrund zu treten. Die Glaswände öffnen die Installation nach außen. Die visuellen Abläufe im Inneren werden Teil des öffentlichen Raums. Licht, Farbe und Bewegung treten in Beziehung zur Umgebung und machen den gesamten Prozess sichtbar. Wahrnehmung wird geteilt.
Dieses Konzept habe ich für Österreich entwickelt, weil sich meine eigene Arbeitsweise mit einer Haltung verbindet, die ich dort als selbstverständlich erlebt habe: das Verständnis, dass Komplexität nicht reduziert werden muss, um zugänglich zu sein. Wahrnehmung darf Zeit brauchen, Erfahrung darf sich entfalten. Gestaltung bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen Prozesse sichtbar werden. Österreich habe ich als Ort wahrgenommen, an dem Kunst, Technologie, Wirtschaft und Alltag nicht strikt voneinander getrennt sind. Zusammenarbeit entsteht aus gegenseitigem Respekt und aus dem Bewusstsein, dass unterschiedliche Kompetenzen Teil eines gemeinsamen Systems sind. Die Installation ist aus einer konkreten Beziehung heraus entstanden: aus einer Arbeitsrealität, aus Begegnungen, aus einem geteilten Verständnis von Zeit, Raum und Verantwortung.
Meine Entscheidung, dieses Konzept für den Österreich-Pavillon der EXPO 2027 zu konzipieren, ergibt sich aus dieser Nähe. Österreich wird darin nicht nur repräsentiert, sondern verkörpert, über eine Haltung, die Wahrnehmung, Spiel, Bewegung und Teilhabe miteinander verbindet.
Pantha rhei, alles fließt, bildet die konzeptuelle Grundlage dieser Installation. Sie organisiert Fließen als räumliche Erfahrung und macht Play for Humanity als gelebten Prozess sichtbar. Die Arbeit entfaltet sich im Zusammenspiel von Raum, Klang, Bild und menschlicher Präsenz.

